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– einfacher Leitfaden für den hausgemachten Krieg

Hermann Mühe sorgt seit Jahren mit seiner Satire für Furore und gerade jetzt, so sagte er im Interview mit „Unsere Welt in Büchern, die es nicht gibt“, könne er die Finger nicht still halten. „Wenn ich die Nachrichten einschalte, bekomme ich Kopfschmerzen, weil ich das Gefühl habe, man serviere mir die Themen auf dem Silbertablett.“ Anlass für das Interview war sein „Handbuch: Wie beginne ich einen Krieg“, das er innerhalb weniger Wochen im Selbstverlag veröffentlichte. „Die Idee dazu spukte mir schon lange durch den Kopf“, so Mühe, „doch noch nie hatte ich das Gefühl, dass das Buch so dringend gebraucht würde, wie heute.“ Sein Handbuch führt in „sieben einfachen Schritten“, bei „denen man nicht viel falsch machen“ könne, wie Hermann Mühe in der Einleitung erklärt, zum Ziel. Dementsprechend ist sein Buch in sieben Kapitel eingeteilt, die der Leser mit einem wachsenden Gefühl von Unbehagen verschlingt. Nicht ohne dabei immer wieder emsig mit dem Kopf zu nicken.

„Man finde zunächst einen Schuldigen, auf den man sich vollkommen einschießen kann. Komme was wolle, an diesem Schuldigen wird festgehalten. Dafür greife man am einfachsten auf historische Feindbilder zurück“, heißt es in Kapitel 1 „Das Feindbild“. Mühe legt dem Leser hier ein ordentliches Feindbild ans Herz, das sich gut in den Medien verwerten lässt. „Je deutlicher das Feindbild, desto stärker die Emotionen. Einzelne Personen, die sich ohnehin keiner Beliebtheit erfreuen, eignen sich dafür besonders gut.“ In Kapitel 2, „Die Schuld“, geht es munter weiter: „Man schiebe ihm für alles die Schuld zu. Was auch immer geschieht: Er war es! Auch wenn er zu diesem Zeitpunkt weit weg war.“ Soweit, so gut, findet Hermann Mühe am Ende des Kapitels und leitet dann gekonnt über zum Kapitel 3 „Die Faust“: „Man sorge dafür, dass der Feind keine Gelegenheit hat, sich zu rehabilitieren. Statt der ausgestreckten Hand, strecke man ihm die geballte Faust entgegen.“

Bis dahin sei es noch recht einfach, so Mühe im Interview. „Doch jetzt kommt der schwere Teil: die Mobilisierung der Massen.“ Doch auch dafür kennt Hermann Mühe natürlich einen Trick. „Man sorge dafür, dass die breite Bevölkerung nur eine Sicht der Wahrheit zu sehen und zu hören bekommt. Dafür lade man alle Chefredakteure und Programmchefs zu Konferenzen ein und bringe sie auf Kurs.“ In einer Fußnote verweist er auf die Bilderberg-Konferenzen als anschauliches Beispiel zur Medienmanipulation. „Jetzt steigen wir in die Königsdisziplin auf“, kündigt Mühe dann das fünfte Kapitel „Die Zustimmung“ ein. „Man sorge für eine breite Zustimmung in der Bevölkerung, indem man Fragen stelle, die die nur halb informierte Bevölkerung voller Inbrunst mit „Ja!“ beantworten kann.“ Von nun an sei es ganz einfach, erfahren wir im vorletzten Kapitel. Man leite mit Hilfe der Medien aus dieser Zustimmung eine Legitimierung für Sanktionen ab, um jegliche Form der Versöhnung unmöglich zu machen und warte dann – so heißt es im siebten Kapitel – auf den Erstschlag des in die Ecke gedrängten Feindes und hole sich so die Legitimierung für einen Gegenschlag, der letztendlich in den ersehnten Krieg münde.

Ist das Buch praxistauglich?, wollten wir zum Schluss von Hermann Mühe wissen. „Na aber sicher doch (lacht), es ist ein Kinderspiel!“

Lesenswert zum Thema:  1. Der Spiegel schreibt, die Deutschen würden härtere Sanktionen gegen Russland befürworten. 2. Der Spiegel untermauert diese Behauptung mit einer selbst in Auftrag gegebenen Umfrage. 3. Der Spiegel rechtfertigt sich für sein kriegstreiberisches Titelblatt. 4. Stefan Niggemeier, der einst den Spiegelblog gründete und den Spiegel 2013 verließ, analysiert die Rechtfertigung des Magazins. 

5. Der Focus veröffentlicht unterdessen unbekümmert belanglose private Details aus Putins Leben.

Weitere interessante Bücher, die es nicht gibt, zum Thema: „Medienmanipulation erkennen für Dummies“ und “Sehenden Auges in den Krieg”

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