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– Pflichtlektüre für den mündigen Bürger, die für Medienmanipulation und gezielte Meinungsmache in den Medien sensibilisiert

Aus dem gegebenen Anlass der Ukraine-Krise hat Ferdinand Leitner ein Sachbuch veröffentlicht, das in keinem Haushalt fehlen dürfte und das in jeder Schule zur Pflichtlektüre gehören müsste: „Medienmanipulation erkennen für Dummies“. Der recht reißerische Titel leitet diejenigen fehl, die meinen, dass sich dahinter ein ebenso reißerischer Inhalt verbergen würde. Das Gegenteil ist der Fall: Leitner hat genau recherchiert und legt seine Ergebnisse fundiert und absolut faktensicher dar. Jede Online-Quelle, die zitiert wird, ist über einen in die Seitenspalte integrierten QR-Code mit dem Smartphone oder Tablet zu erreichen. Leitners Message ist damit ganz klar: „Lest es selbst nach, es ist alles da im Netz, es ist jedem frei zugänglich. Ihr müsst es nur wachsam sein, anstatt lediglich das zu konsumieren, was euch die Leitmedien vorlegen.“

Für Ferdinand Leitner sind die Leitmedien der größte Feind. Sie, die eigentlich Abstand zu denen wahren sollten, über die sie als „vierte Macht im Staat“ kritisch und objektiv berichten sollen, setzen sich auf Bilderberg-Konferenzen und in Think Tanks mit hochrangigen Politikern zusammen, auf denen die globale politische Marschrichtung bestimmt wird. Erst am 29. Mai 2014 trafen sich, so Leitner, in Kopenhagen 140 Personen aus 22 Ländern zu einer jener legendären Bilderberg-Konferenzen, über die es vor einigen Jahren noch hieß, es würde sie gar nicht geben. Darunter, neben führenden Unternehmern, Konzernchefs und Politikern, auch viele Journalisten, wie der Chef des Axel Springer Verlags. Hier wurden Themen besprochen, über die die Journalisten allenfalls berichten, auf deren Besprechungen sie aber eigentlich keinen Einfluss nehmen dürften. Auf der Agenda standen zum Beispiel die Zukunft der Demokratie und die Falle der Mittelklasse, die neue Architektur im Mittleren Osten und natürlich die Ukraine-Krise, das Thema, an dem Ferdinand Leitner sein Buch aufgezogen hat.

Studie “Meinungsmacht” von Uwe Krüger

Das Problem an der engen Vernetzung zwischen Politik und Medien liegt nicht in der bloßen Existenz dieser Vernetzung. Die Kontakte zu den höchsten Kreisen sind wichtig für die Arbeit der Journalisten: Hier erhalten sie Informationen, die sie nirgendwo sonst bekommen können. Das Problem ist jedoch, dass sie sie viel zu häufig nicht weiterkommunizieren. „Aufgabe des Journalisten wäre es, das, was er auf solchen Konferenzen erfährt, direkt und ungefiltert an den Bürger heranzutragen. Nur so kann der sich eine fundierte Meinung bilden und verantwortungsvoll Entscheidungen treffen und handeln“, schreibt Leitner. Immer wieder greift er dabei auf die Studie “Meinungsmacht. Der Einfluss von Eliten auf Leitmedien und Alpha-Journalisten” von Uwe Krüger zurück, die 2014 veröffentlicht wurde, um zu beweisen, dass die Realität anders aussieht.

Krüger machte nämlich eine erschütternde Erkenntnis: „Die Journalisten [die an der Münchener Sicherheitskonferenz teilgenommen hatten] lagen ganz auf Linie mit den Eliten und benutzten sogar klassische Propagandatechniken. […] alle vier haben die Gegner der Konferenz, die Demonstranten und die Organisatoren der Münchner Friedenskonferenz, in ihren Artikeln entweder verschwiegen, marginalisiert oder delegitimiert. Und alle vier argumentierten bei den Themen Sicherheit, Verteidigung und Auslandseinsätze der Bundeswehr ähnlich („kognitive Vereinbarung“). […] Sie erwähnten häufig eine Reihe von Bedrohungen, denen Deutschland vermeintlich ausgesetzt ist, mahnten die Bundesregierung zu verstärktem militärischem Engagement und empfahlen zur Durchsetzung dieser Politik mehr Führung und mehr Überzeugungsarbeit an der skeptischen Bevölkerung.“

Wegweiser aus der Propaganda-Falle

Ferdinand Leitner hält das für eine erschreckende Entwicklung, denn sie sorgt dafür, dass der Bürger unmündig und verängstigt in der Ecke hockt und sich darauf verlässt, dass die Politiker schon die richtige Entscheidung treffen werden. Dass diese dabei aber eigene (etwa finanzielle, wirtschaftliche oder machtpolitische) Interessen verfolgen könnten, kommt ihnen gar nicht in den Sinn. Doch genau darum geht es Leitner in „Medienmanipulation erkennen für Dummies“. Er weiß: Bei der Flut von Informationen, der wir heute ausgesetzt sind, ist es kaum möglich, die einzelnen Artikel kritisch zu hinterfragen. Ein solches Hinterfragen erfordert nämlich Mündigkeit, ernsthaftes Interesse, Fähigkeiten und Informationen und vor allem Zeit. Man muss alles mit anderen Quellen nachprüfen und selbst rational nachvollziehen.“ Weil den meisten aber diese Zeit (und vielleicht auch das Interesse) dafür fehlt, verlassen sie sich auf das, was die Leitmedien berichten. Und gehen ihnen damit in die Propaganda-Falle.

Bei den Beispielen, die Ferdinand Leitner in „Medienmanipulation erkennen für Dummies“ anführt, fällt es einem dann wie Schuppen von den Augen, wenn Claus Neukirch, der für die Krisenprävention in der OSZE arbeitet, im ORF übergangen wird, wenn er richtigstellen will, dass es sich bei den Geiseln in der Ukraine keinesfalls um OSZE-Mitarbeiter handelte, sondern um Militärbeobachter ohne Legitimation durch das Wiener Dokument. Wenn der Historiker Karl Schlögel, ein „ausgewiesener und vielfach ausgezeichneter“ Kenner der Sowjetunion und ihrer Nachfolgestaaten im ZDF-Morgenmagazin, abgewürgt wird, als er die Hintergründe der Ereignisse auf dem Majdan beleuchten will. Oder wenn Klaus Kleber im heute-journal den Siemens-Chef Joe Kaeser fragt, was er sich dabei gedacht habe, jetzt nach Moskau zu reisen und Kleber richtet, dass das in Anbetracht des „Weltereignisses des russischen Eingreifens in der Ukraine, des – wenn man so will – Diebstahls der Krim, der internationalen Krisen“ vollkommen unangemessen war.

All diese Beispiele kann man sich in „Medienmanipulation erkennen für Dummies“ mithilfe der QR-Codes noch einmal ansehen und deren Hintergründe genau nachlesen. Gold wert ist das Buch auch für seine Linksammlung, die Interessierten von nun als Grundlage ihrer täglichen objektiven und ausgewogenen Nachrichtenrezeption dienen kann. Dazu gehören die „Propagandaschau“ des “Freitag” genauso wie heise.de, die NachDenkSeitecontra-magazin.com oder blog.fefe.de.

 

Sehr lesenswert zum Thema: http://guidograndt.wordpress.com/2014/04/28/ukraine-krise-tv-manipulation-und-richtigstellungen/

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