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– Kleiner Ratgeber mit großer Wirkung, der hilft den wahren Wert der Dinge zu vergegenwärtigen

„Wir wissen den wahren Wert einer Sache nicht zu schätzen – bis wir drauf und dran sind, sie zu verlieren“, sagt Tobias Krämer in seinem Buch „Wie gut wir es hatten“. Ein melancholischer Blick in die Vergangenheit, glaubt man bei diesem Titel. Doch das Gegenteil ist der Fall: Krämer zeigt, wie wir uns vergegenwärtigen, wie gut es uns geht. Auslöser, so Krämer im Interview, das der Verlag zur Veröffentlichung des Buches bereitstellte, war das Gefühl, das ihn überkam, als sich der Konflikt in der Ukraine zur weltweiten Krise auszuwachsen drohte. „Ich musste daran denken, dass ich den Frieden, die Sicherheit und den Wohlstand immer für selbstverständlich gehalten habe.“ Erst als all das plötzlich Gefahr lief, verloren zu gehen, wusste er den Wert dessen plötzlich zu schätzen. In seinem Buch nimmt Krämer dem Leser deshalb zunächst jede Illusion: Er sagt, dass nichts von Dauer ist. Sicherheit nicht. Frieden nicht. Nicht einmal das System, in dem wir leben. Auch persönliches Glück nicht, Gesundheit, die Gegenwart von Menschen, die wir lieben.

Ein düsteres Buch, sollte man meinen. Keines, das man lesen wollte. Doch „Wie gut wir es hatten“ fängt den Leser im Fall. Und zwar beinah wortwörtlich, denn Tobias Krämer zeigt, wie wir auf die Stopp-Taste drücken und uns den Moment vergegenwärtigen. „Ich dachte immer, die Formel ‚im Moment leben‘ sei esoterischer Humbug“, schreibt er. „Mit Meditation und Zen hatte ich doch nie etwas am Hut.“ Doch tatsächlich ist dieses „die Welt anhalten“, wie Tobias Krämer es nennt, eine Möglichkeit, einen Schnappschuss von ihr zu machen. Und einen Schnappschuss des eigenen Lebens. „Ich muss nicht jeden Morgen fürchten, dass die Menschen, die ich liebe, den Abend nicht erleben. Ich muss nicht darum bangen, ob ich am Abend etwas zu essen und ein Dach über dem Kopf haben werde. Ich muss nicht in der Angst leben, einfach so auf offener Straße erschossen zu werden. Ich bin gesund. Ich habe einen Job und ein Einkommen. Ich habe die Menschen um mich, die ich liebe, und in meinen Hobbies die Möglichkeit, mich selbst zu entfalten.“ Während Krämer all diese Dinge auflistet, nickt man unwillkürlich. Es stimmt: Es geht uns wahnsinnig gut – auch wenn wir gerne jammern und klagen. Es geht uns besser als Millionen von Menschen überall auf der Welt, für die Krieg Alltag ist, die unter einer lebensbedrohlichen Krankheit leiden und die nicht wissen, wovon sie ihre nächste Mahlzeit bezahlen sollen.

Doch das alles kann sich jeden Augenblick ändern. Deshalb gilt es, diese Momente festzuhalten und auszukosten. Denn mit einer globalen Krise vor der Haustür kann sich das alles so schnell ändern. Ein kleines Buch zum Innehalten – ohne esoterischem Humbug, sondern mit wachem Herzen geschrieben.

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