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Stürmischer Politthriller mit ungeheuerlicher Story

Abigail Storms Name ist in ihrem neuen Politthriller Programm, denn ein Sturm ist es wahrhaftig, der in „Unter dem Radar“ aufzieht. Europa, die USA und Russland haben sich in eine Situation manövriert, die immer schwieriger zu kontrollieren ist und am Horizont kündigen sich militärische Auseinandersetzungen an. Im Weißen Haus laufen die Köpfe heiß im Versuch die Medien und Märkte zu beruhigen und den Ernst der Lage vor der Bevölkerung geheim zu halten. Der Präsident braucht in dieser Phase seiner Amtszeit Moment nichts so wenig wie die Unsicherheit, die ein nahender Krieg mit sich bringen würde. Amerikas militärische Position ist nämlich längst nicht so stabil, wie es immer heißt. Ablenkung muss her und das perfekte Thema offenbart sich, als ein Flugzeug aus Kambodscha scheinbar spurlos verschwindet. Die Regierungschefs der Nato-Staaten erreicht ein Bekennerschreiben, in dem Terroristen die Flugzeugentführung gestehen und ihre Forderungen stellen.

Chris Norton, Mitglied des Beraterstabs im Weißen Haus mit vielen zwielichtigen Kontakten, sieht darin die Chance, auf die er gewartet hat, und weist absolutes Schweigen über das Bekennerschreiben an. Kein Wort davon darf an die Medien dringen. Stattdessen erfüllt Norton, der vom Präsidenten vollkommen freie Hand bekommen hat, sämtliche Forderungen der Terroristen und erkauft sich ihr Schweigen. Niemand darf erfahren, dass die mehr als 230 Passagiere an Bord der Boeing 777 noch am Leben sind. Stattdessen sollen die internationalen Medien gezielt mit Falschinformationen gefüttert werden, die das Verschwinden des Flugzeugs künstlich aufblasen und die Weltöffentlichkeit beschäftigt halten sollen, während sich das Weiße Haus im Geheimen für einen Angriff rüstet.

Abigail Storm hat für „Unter dem Radar“ eine ungewöhnliche Perspektive gewählt. Sie lässt ihren Protagonisten, Chris Norton, nicht auf der Seite von Wahrheit und Gerechtigkeit kämpfen, sondern lässt uns durch seine Augen direkt in das Herz der Verschwörung sehen. Die Genialität seines Planes, der nur als moralisch verwerflich bezeichnet werden kann, ist beachtenswert und als Leser kommt man nicht umhin, sich zu fragen, ob er aufgehen kann – und bis zum Ende mit zu fiebern. Ob es schlussendlich gelingt, soll hier nicht verraten werden. Die Lektüre lohnt sich aber allemal.

Einen interessanten Aspekt möchte diese Rezension aber nicht verschweigen: Ein erster Entwurf zu „Unter dem Radar“ von Abigail Storm fiel der internen Zensur durch den amerikanischen Verleger zum Opfer. Darin hatte sie ihre Geschichte so aufgelöst, dass die Passagiere auf Geheiß von Chris Norton (und damit im Namen der US-Regierung) entführt und zur US-Militärbasis Diego Garcia im Indischen Ozean geflogen worden seien. Dort wurden sie mehrere Monate gefangen gehalten, bis es einem von ihnen schließlich gelang, eine SMS zu versenden, die den Aufenthaltsort der vermissten Maschine und ihrer Insassen preisgab. Diese Fassung von „Unter dem Radar“ wäre sicher nicht weniger spannend zu lesen gewesen, als die nun Vorliegende.

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