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Historischer Roman aus Ägypten, der mehr ist, als er zu sein vorgibt

Auf den ersten Blick hat Johannes Nikau einen historischen Roman über Ägypten geschrieben und den Leser eingeladen, ihn in das siebte Jahrhundert zu begleiten, wo gerade die Arabische Eroberung des Landes in vollem Gange ist. Durch die Augen seines Helden, des byzantinischen Generals Theodorus, erleben wir mit, wie die Muslime die oströmische Provinz erobern. Den Geschichtsbüchern zufolge gelingt es den Arabern, Babylon zu erobern und schließlich – in langer Belagerung – Alexandria zu Fall zu bringen. Johannes Nikau aber erzählt die Geschichte in „500 Köpfe für den Kaiser“ ein bisschen anders. Und das hat einen Grund.
Die Geschichte, die der studierte Rechtswissenschaftler nämlich eigentlich erzählt, handelt von den ersten freien Wahlen in Ägypten im Jahr 2012, aus denen die Muslimbruderschaft rund um Mohammed Mursi gestärkt hervorging. Sie handelt von den tagelangen Protesten gegen Mursi im Juli 2013, vom Sturz des Präsidenten und der Staatskrise, die das Land seitdem in ihren Fesseln hält. Und sie handelt vom harten Durchgreifen der Übergangsregierung unter Adli Mansur, der im März 2014 529 Anhänger der Muslimbruderschaft zum Tode verurteilen ließ. Eine Zahl, die so gewaltig ist, dass man sich unwillkürlich fragt, ob es sich um einen Tippfehler handelt.
Solche Zahlen im 21. Jahrhundert – das will nicht recht passen. Das muss sich auch Johannes Nikau gedacht haben, als er begann, „500 Köpfe für den Kaiser“ zu schreiben, einen Roman, der nur auf den ersten Blick das unschuldige Gewand eines historischen Romans trägt. Durch die Literaturgeschichte hinweg bedienten sich Autoren immer wieder historischer Stoffe, um darin Gesellschaftskritik zum Ausdruck zu bringen. Nikau gelingt die Tarnung hervorragend, denn die Geschichte entfaltet eine ganz eigene Spannung und Dynamik, die den Leser fast glauben macht, alles sei rein fiktiv und nur der reichen Vorstellungskraft des Autors entsprungen, der sich mit dem historischen Ägypten erstaunlich gut vertraut gemacht hat.
Am Ende von Johannes Nikaus düsterem Roman möchte man denken: Gut, dass diese Zeiten vorbei sind. Doch ein einziger Blick in die Nachrichten reicht aus, um zu erkennen, dass dem nicht so ist. Besser hätte man diesen Wahnsinn in einem anderen Genre kaum zum Ausdruck bringen können!

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